GEMEINNÜTZIGE BAUVEREINIGUNGEN

Die Zukunftsfähigkeit von Arbeitersiedlungen, Südtiroler Siedlungen und Kanaltaler Siedlungen sichern!

Der Klima- und Energiefonds Schwerpunkt: Arbeitersiedlungen

Die Weiterentwicklung des Gebäudebestandes stellt eine zentrale Aufgabe für Städte und Bauträger bei der Erreichung der Energie- und Klimaziele dar. Es zeigt sich, dass einzelne Teilsanierungen von Gebäuden oder Gebäudeteilen unzureichend sind, um Bestandsquartiere aus technischer Sicht fit für die Zukunft und attraktiv für die potenziellen NutzerInnen zu machen. Städte und Gebäudeeigentümer sind daher gefordert, gemeinsam kooperative Prozesse aufzusetzen, um ganzheitliche Modernisierungen von diesen Quartieren (Gebäude, Freiflächen und öffentliche Räume) zu realisieren.

Der Klima- und Energiefonds initiiert spezifische Schwerpunktprogramme, um die Transformation einzelner Gebäudetypologien in Richtung klimaneutrale Stadtteile gezielt zu beschleunigen. Der aktuelle Förderschwerpunkt fokussiert sich auf Arbeitersiedlungen der 1920er bis 1940er Jahre. Diese Typologie beinhaltet auch die Südtiroler und Kanaltaler Siedlungen dieser Zeit. In der laufenden Ausschreibung „Leuchttürme für resiliente Städte 2040“ werden die Arbeitersiedlungen im Ausschreibungsschwerpunkt 2 „Resiliente Siedlungsentwicklung in Bestandsquartieren“ adressiert. Diese Quartiere sind relevant, da sie in vielen Klein- und Mittelstädten Österreichs vertreten und statistisch gesehen bis zu 185.000 Wohnungen dieser Kategorie zuzuordnen sind.

Charakteristika von Arbeitersiedlungen

Arbeitersiedlungen aus der Zwischenkriegszeit stellen ein interessantes baukulturelles Erbe in Österreichs Städten dar. Sie sind gekennzeichnet durch einfache, 2- bis 4-geschoßige Gebäudeformen mit systematischen Wohnungsgrundrissen von 30 m² bis 60 m². Dank großzügiger Frei- und Grünräume verfügen sie über eine hohe Aufenthaltsqualität, liegen zumeist in gut erschlossenen Siedlungsgebieten und sind bekannte, lokale Identifikationsorte. Bei der Errichtung dieser Quartiere wurde besonderes Augenmerk auf die zur Verfügungstellung der sozialen Infrastruktur des täglichen Bedarfes, wie Kindergärten, Schulen, Sportstätten und Eigenversorgungsgärten sowie gemeinschaftliche Freiräume im direkten Wohnumfeld gelegt. Diese erwähnten Faktoren haben dazu geführt, dass diese Arbeiterwohnanlagen in Österreich den Ruf eines hochwertigen Wohnumfeldes in der Bewohnerschaft haben.

Festzuhalten ist allerdings, dass die Wohnungen und Grundrisse nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen entsprechen und sich die Gebäudesubstanz nicht mehr im Einklang mit den österreichischen Energie- und Klimazielen befindet. Vielfach erfolgt die Beheizung dieser Gebäude über Gasheizungen oder Einzelöfen, die thermische Qualität der Gebäude ist selbst im Falle einer Sanierung in den 80er Jahren relativ gering (EKZ bis zu 200 kWh/m².a). Zudem werden die als Erholungsraum wertvollen Freiflächen zunehmend für das Abstellen von PKWs herangezogen. Es besteht daher unmittelbarer Handlungsbedarf, diesen Gebäude- und Quartiersbestand zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Sanierungsstrategien und Sanierungsbeispiele

Welche Sanierungsbeispiele liegen nun für Arbeitersiedlungen der Zwischenkriegszeit vor?
Grundsätzlich sind 3 Sanierungsgeschehen zu unterscheiden:

1. Sanierungswelle der Gebäude rund um die 1980er Jahre:

Im Zuge dieser Sanierungen erfolgten erste wärmeschutztechnische Verbesserungsmaßnahmen. Die Standards der damaligen Sanierungsmaßnahmen entsprechen jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen. Zudem wurden die Heizsysteme zumeist nicht erneuert oder auf erneuerbare Energieträger umgestellt.

2. Re-Constructing:

Bei diesem Modernisierungsverfahren werden die Bestandsgebäude komplett abgerissen und anschließend neue Baukörper gebaut. Die BewohnerInnen können innerhalb des Quartiers in neue Wohnungen umziehen und damit in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Städtebaulich entstehen Neubauquartiere entsprechend dem aktuellen Zeitgeist. 

3. Bestandserhaltende Modernisierung:

Bei der bestandserhaltenden Modernisierung geht es um die Aufwertung von gesamten Quartieren. Das Ziel dieser Modernisierungsstrategie besteht im Erhalt des baukulturellen Erbes und der städtebaulichen Qualitäten sowie in der Weiterentwicklung des Quartiers im Sinne der Klima- und Energieziele und der Bedürfnisse der Bevölkerung. Aktuell gibt es mit den Smart City Projekten „Wohnen findet Stadt“ (Burgfriedsiedlung in Hallein) und „Transform Ternitz“ (Dreiersiedlung in Ternitz) erste Projekte, die diesen Ansatz aufgreifen.

Sanierungsbeispiele

Der Blick über die österreichischen Grenzen zeigt eine Fülle an Beispielen:

1. Pfuhler Stadtteil, Neu-Ulm: Hier wurden zwei unterschiedliche Architekturkonzepte mit dem Ziel, ein „Effizienzhaus Plus“ im Altbau zu erreichen, umgesetzt. So wurden einerseits vorgefertigte multifunktionale Fassaden und andererseits die Wohnungsgrundrisse völlig neu aufgesetzt (inkl. Erweiterung).

2. Neues Weltquartier, Hamburg: Durch Aufwertung von Gebäuden (Bestandssanierung und Neubauten) und von Freiräumen (Garteninseln, Spielplätze und Innenhöfe) wurde eine städtebauliche Sanierung in einem gesamtheitlichen Konzept realisiert. Aus energetischer Sicht ist von Interesse, dass ein benachbarter Flakbunker zu einem "Energiebunker" umfunktioniert wurde, von wo aus regenerative Energien (Wärme und Strom) für das Quartier bereitgestellt werden.

3. Die Höfe, Wolfsburg: Der Modernisierungsprozess befindet sich in der Startphase, erste Maßnahmen werden in einem Teilgebiet („Pilotareal“) erprobt. Interessant ist die Etablierung einer kooperativen Arbeitsgruppe von Stadt und Bauträger. In diese Gruppe sind ein extern betreutes Sanierungsmanagement für kommunikative Aufgaben und ein externer Quartiersarchitekten für die Entwicklung technischer Lösungen eingebunden.

Nähere Infos zu diesen und anderen Projekten sind in der Präsentation vom Workshop am 19. August zu finden (siehe Links). Gerne stehen der Klima- und Energiefonds und das Schwerpunktteam Lang | Rainer | Schreiner für weitere Informationen zur Ausschreibung oder den Sanierungsbeispielen zur Verfügung.

Es ist zu hoffen, dass die österreichischen Wohnbauträger und Stadtverwaltungen die einmalige Chance ergreifen und umfassende Quartiermodernisierungsprojekte im Rahmen dieser Ausschreibung zur Förderung einreichen werden.

AutorInnen: Gerhard Lang, Karin Schreiner

Links

Schwerpunktprogramm des Klima- und Energiefonds: Schwerpunkt Arbeitersiedlungen

Ausschreibung des Klima- und Energiefonds (Deadline 19. Oktober 2021, 12 Uhr): Leuchttürme für resiliente Städte

Leitfaden zur Ausschreibung: Downloadcenter der FFG

Workshop vom 19. August 2021: Nachlese, Aufzeichnungen und Präsentationen

Beratungsangebote

(1) Klima- und Energiefonds und FFG

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(2) Schwerpunktteam Lang | Rainer | Schreiner

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