GEMEINNÜTZIGE BAUVEREINIGUNGEN

Interview mit neuem Verbandsobmann Klaus Baringer

Herr Baringer, zunächst Gratulation zur Wahl zum Verbandsobmann. Was bedeutet die neue Funktion für Sie?
Es ist natürlich eine große Auszeichnung, so eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen zu bekommen. Ich werde in den nächsten drei Jahren mein Bestes geben und mit Feuer bei der Sache sein. Durch meine elfjährige operative Tätigkeit als Finanzvorstand der GESIBA habe ich in der Branche bereits viel Erfahrung gesammelt, ein Faktum, das in der aktuellen Zeit (Stichwort Inflation, steigende Preise und Kreditzinsen) sicherlich von Vorteil ist.

Sie kennen die Branche ja bereits sehr gut. Was waren Ihre ersten Berührungspunkte mit der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft? 
Die GBV-Branche kenne ich seit über 20 Jahren. Vor meiner Tätigkeit als Finanzvorstand der GESIBA war ich als für allgemeine Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten zuständiger Mitarbeiter der Wiener Finanzverwaltung zehn Jahre Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums. 

An welchen Grundsätzen werden Sie sich als Verbandsobmann orientieren?
Wir brauchen das Rad nicht neu zu erfinden. Wir als GBVs sind strukturell sehr gut aufgestellt. Allerdings müssen wir eine gewisse Stabilität in der Bewegung beweisen, wie ich es in meiner Rede am Verbandstag bereits angekündigt habe, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

Was werden die größten Herausforderungen für die Gemeinnützigen sein?
Auf Seite der Interessensvertretung ist sicherlich die Kostenthematik die dringendste. Die Neubauförderung ist von 1,8 Milliarden 2008 auf 1,3 Milliarden Euro 2020 zurückgegangen. Gemeinsam mit der öffentlichen Hand haben wir bereits und werden wir weiterhin Lösungen finden müssen. 

Die in den letzten zehn Jahren massiv gestiegenen Grund- und Baukosten konnten nur wegen der niedrigen Zinsen gestemmt werden. Die voraussichtlichen Zinssteigerungen am Kapitalmarkt durch die Europäische Zentralbank werden das Finanzieren von leistbarem Wohnen weiter schwieriger machen. Derzeit macht diese explosive Mischung neuen sozialen Wohnbau zu leistbaren Preisen unter den gegebenen Umständen nahezu unmöglich. Hier haben wir bereits erste Schritte gesetzt, um gemeinsam mit der Politik gegenzusteuern. Wir Gemeinnützige wollen unverändert ein starker Partner der Politik, ein zuverlässiger Auftraggeber der Bauwirtschaft, ein sicherer Partner der Banken und ein maßgeblicher Garant des Wohlstandes und der Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden sein. 

Gibt es Pläne beim Thema Digitalisierung?
Ich will die Kundenarbeit noch weiter vertiefen. Dazu wollen wir eine Plattform aufstellen, die es Wohnungssuchenden ermöglicht, die GBV-Angebote zentral anzufragen, um dann dezentral weiterversorgt zu werden – sprich auf die Website des Unternehmens weitergeleitet werden. Im Bereich der Stellplätze haben das zehn Wiener GBVs auf parkplatzboersewien.at schon vor Jahren realisiert.

Welche Schwerpunkte werden Sie in der internen Verbandsarbeit setzen?
Für meine interne Verbandsarbeit ist das Thema Personalentwicklung mit dem Ziel, Frauen und Junge zu fördern und ihnen Führungspositionen zu ermöglichen, im Fokus. Für den anstehenden Generationenwechsel bei den GBVs und im Verband wird es mit dem Programm „Next Generation“ eine neue Zukunftswerkstatt als Ausbildungsprogramm geben. Weiters soll es auch Informationsoffensiven für aktuelle und zukünftige Mieterinnen und Mieter geben. Auch bestehende Kundinnen und Kunden von GBVs sollten immer wieder über die Vorteile des gemeinnützigen Systems informiert werden. Der Verband wird dazu Material vorbereiten. 

Wo sollen die GBVs in zehn Jahren stehen?
Ein wichtiges Ziel ist es, dass wir den Marktanteil der GBVs wieder ausbauen können. In den letzten Jahren ist der Anteil an GBV-Wohnungen im Geschosswohnbau von über 70 Prozent auf rund 35 Prozent gesunken. Nicht weil wir weniger gebaut haben, sondern weil es im gewerblichen Sektor einen Bauboom gab. Hier sollte im Sinne einer breiten Wohnversorgung der Trend umgedreht werden. Mehr leistbares Wohnen, weniger Anlegerwohnungen. 

Eine letzte persönliche Frage noch: Was ist Ihnen persönlich wichtig beim Wohnen?
Sicherheit und selbstbestimmter Freiraum für mich und meine Familie. 

Neuer Verbandsobmann Klaus Baringer © Martin Steiger